Niedersachen klar Logo

Wurzel (n) in Behandlung

  Bildrechte: Insa Winkler
Ort der Ausstellung: Sozialgericht Oldenburg im Elisabeth-Anna-Palais

Schloßwall 16, 26122 Oldenburg

Dauer der Ausstellung: Verlängerung bis 10. März 2021

Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag von 9.00 bis 15.00 Uhr, Freitags von 9.00 bis 12.00 Uhr

Ansprechpartner: Jürgen Weichardt, AG Kunst in der Oldenburgischen Landschaft, Gartenstr. 7, 26122 Oldenburg, Tel. 0441/779180 Email: info@oldenburgische-landschaft.de _________________________________________________________________________

Informationen zur Ausstellung:

„ Der Besuch der Ausstellung ist nur unter Wahrung der Hygienevorschriften (Mund- und Nasenschutz, Abstand usw.) sowie im Rahmen der Corona-Regelungen des Landes Niedersachsen möglich, sobald diese wieder den Besuch von Ausstellungen und Museen erlauben.“

WURZEL (N) BEHANDLUNG

Mit drei Werkgruppen rückt Insa Winkler ein Thema in den Blickpunkt, das zu den ältesten der Erdgeschichte zählt und dennoch Jahrtausende lang nicht beachtet wurde – Wurzeln sind die Kraftquellen jeder Pflanze. Für die Wurzel hat die Künstlerin ein Zeichen gefunden, das viele Varianten zulässt und sich vom Umraum deutlich abhebt, ob dieser grün, schwarz gezeichnet oder real ist. Indem diese Wurzel-Zeichen wie in einem Alphabet, aber auch wie in einem Wald aneinander gereiht werden, kommt ihre Unterschiedlichkeit bei aller Gleichheit zur Geltung. Ein Bild, das auch auf die Menschen zutrifft. Doch auf den Menschen bezogen stehen Wurzeln umgangssprachlich nur für Details – Zähne – und für seine gesellschaftliche und pauschal geographische Herkunft: Deutscher – Friese – Ostfriese – Auricher – Bahnhof-Straße – Familie. Dass auf der langen Folge dieser Zuordnung viele Einflüsse gewirkt haben, bleibt meist unerwähnt, weil im Einzelnen unbekannt. Im Unterschied zu einer Baumwurzel ist die menschliche Wurzel nicht fixierbar auf einen Ort und nicht auf ein Elternpaar, weil dieses selbst aus verschiedenen Quellen, meist unbekannte Familienstränge entstanden ist.

Die Wurzel des einzelnen Menschen ist darum in ihm selbst zu sehen, in seiner “Fähigkeit”, das, was seit seiner Geburt auf ihn einströmt, aufzunehmen und für sich fruchtbar zu machen. Natürlich kann die Zeit von der Geburt bis zur Zeugung auch zurückverfolgt und als “Verwurzelung” betrachtet werden; doch bleibt diese Zeit dunkle Nacht. (Es ist zumindest für den europäischen Menschen charakteristisch, unter dem Begriff “Lebewesen” nur Mensch und Tier zu verstehen und nicht auch Pflanzen. Natürlich gibt es Ausnahmen, viele Menschen nehmen für sich in Anspruch, auch Pflanzen mit diesem Begriff zu belegen, was sie nicht hindert, Unkraut zu jäten oder Blumen zu schneiden in Vasen zu stellen.) Was bedeutet das für den Begriff “Wurzel”? Zunächst, dass es keinen Sinn macht, nach einer faktischen, realen, konkreten Wurzel zu suchen – wie bei einem Baum. Diese Wurzel ist beim Menschen nicht zu erkennen, es sei denn, sie wird auf einer nichtfaktischen, emotionalen Ebene gesucht in der Bindung an die Familie, an den “Heimat”-ort, an die Kräfte, die den Säugling zum Kleinkind und weiter zum Erwachsenen reifen zu lassen. Der junge Mensch wird geprägt. Dabei geht die Gesellschaft immer noch davon aus, dass diese prägenden Kräfte zunächst von den Eltern, Geschwistern, Tanten und Freunden ausgeht, wobei die zunächst ungezielten, dann immer formalistischer gewordenen und in moralischer Verkleidung uniformierten äußeren Prägekräfte zunehmend Druck ausüben (die Straße, die Presse, die Kirche, die Politik, der Staat und die geduldete oder nicht mehr geduldete Opposition).

“Suche/Finde Deine Wurzel” kann dann nur heißen: “Erkenne Dich selbst”, hier in einer pflanzenhaft naturnahen Formulierung, die es in der antiken Formulierung so nicht gibt. Denn was heute erkannt werden muss, ist eine Existenz inmitten eines Naturumbruchs, der sich möglicherweise schneller vollzieht als frühere, bestimmt aber totaler, zerstörerischer, weil die Menschheit seit der Eiszeit ein gegenüber jedem Klimawandel höchst fragiles System aus Abhängigkeiten aufgebaut hat.

“Suche/Finde Deine Wurzel” heißt damit auch: Zurück zum Kern des Ichs, zum einfachen Leben mit der Natur. Da dieser Weg in die Zukunft führt, ist er utopisch, aber darum nicht weniger notwendig. Insa Winkler verbindet ihre Ausstellung mit der Aufforderung: “Egal wie jung oder alt Du bist, mach aus deinen Zielen eine eigene Vision für eine bessere Welt”. In 17 Workshops mit jeweils höchstens 17 Personen sollen die 17 Ziele der Nachhaltigkeit, wie sie in der Pariser Klima- Konferenz formuliert wurden, für das eigene Leben aufbereitet werden.

Jürgen Weichardt

mehr Informationen zu Künstlergesprächen und Workshops: www.social-landart.org

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln